Warum ich mich gegen das endlose Scrollen wehre
Warum ich mich gegen das endlose Scrollen wehre
Über Instagram, Reizüberflutung und eine Form von Sichtbarkeit, die sich für mich richtig anfühlt
Je länger ich über meine Entscheidung nachdenke, Instagram anders zu nutzen, desto klarer wird mir:
Ich wehre mich gar nicht nur gegen die aufwendige Produktion von Reels.
Ich wehre mich gegen die gesamte Art des Konsums, die damit verbunden ist.
Gegen dieses endlose Scrollen. Gegen einen Reiz nach dem nächsten. Gegen fünf Sekunden Aufmerksamkeit für einen Gedanken, bevor schon das nächste Gesicht, die nächste Musik, die nächste Meinung und der nächste vermeintlich lebensverändernde Tipp auf dem Bildschirm erscheinen.
Ich bin selbst kein Mensch, der gerne Reels konsumiert.
Ich verliere mich ungern stundenlang auf Instagram oder TikTok. Es gibt mir keinen wirklichen Mehrwert. Im Gegenteil: Ich merke, wie schnell diese Plattformen meine Aufmerksamkeit zerteilen und wie wenig nach dem Konsum tatsächlich bei mir bleibt.
Und genau deshalb fällt es mir so schwer, sie ständig mit neuen Inhalten zu füttern.
Wir nennen es Abschalten
Wie oft nehmen wir unser Handy in die Hand, weil wir angeblich kurz abschalten möchten?
Wir setzen uns aufs Sofa. Wir legen uns ins Bett. Wir warten irgendwo für drei Minuten. Wir stehen an der Supermarktkasse. Wir gehen auf die Toilette. Wir haben zwischen zwei Aufgaben einen winzigen Moment, in dem gerade einmal nichts von uns verlangt wird.
Und sofort ist dieses beschissene Handy in unserer Hand.
Wir öffnen Instagram. TikTok. YouTube. Irgendeine Plattform, auf der bereits der nächste Reiz auf uns wartet.
Wir sagen uns, dass wir kurz herunterkommen.
Aber kommen wir dabei wirklich zur Ruhe?
Innerhalb weniger Minuten sehen wir unzählige Gesichter, hören verschiedene Stimmen, wechseln zwischen Musik, Werbung, Konflikten, Erfolgsgeschichten, Nachrichten, Beziehungen, Körpern, Tipps und Meinungen.
Unser Körper sitzt vielleicht still.
Doch in unserem Kopf geht es weiter.
Nicht alles, was uns still sitzen lässt, bringt uns auch zur Ruhe.
Manchmal lenken wir uns lediglich so vollständig ab, dass wir gar nicht mehr bemerken, wie erschöpft, angespannt oder weit von uns selbst entfernt wir eigentlich sind.
Dein Handy füllt die Stille, in der deine Wahrheit spricht
Vielleicht greifen wir auch deshalb so schnell zum Smartphone, weil in einem ruhigen Moment etwas anderes auftauchen könnte.
Ein Gedanke, den wir seit Tagen wegschieben.
Ein Gefühl, für das bisher kein Raum war.
Eine Unzufriedenheit, die wir längst spüren.
Eine Entscheidung, von der wir wissen, dass sie ansteht.
Oder einfach die Erkenntnis, dass wir müde sind und gerade wirklich eine Pause brauchen.
Doch bevor wir uns selbst hören können, öffnen wir eine App.
Die Stille ist gefüllt. Der Gedanke verschwindet. Das Gefühl wird überlagert. Unsere Aufmerksamkeit gehört wieder allen anderen – nur uns selbst gehört sie kaum noch.
Dein Handy füllt die Stille, in der deine Wahrheit spricht.
Das ist für mich einer der entscheidenden Gründe, warum ich mich innerlich gegen diese Art von Plattform sträube.
Meine Arbeit handelt davon, sich selbst wieder wahrzunehmen.
Von Bewusstsein. Von inneren Überzeugungen. Von den Mustern, nach denen wir leben. Von der Frage, wer wir sein möchten und wie wir unser Leben darauf ausrichten können.
Wie stimmig wäre es für mich, gleichzeitig immer mehr kleine Reize zu produzieren, die Menschen noch länger in ihrem Scrollverhalten halten?
Ich möchte keinen Konsum fördern, den ich selbst ablehne
Natürlich ist Instagram nicht grundsätzlich schlecht.
Menschen finden dort Inspiration, Wissen, Unterhaltung und Verbindung. Viele Content Creator leisten großartige Arbeit. Sie investieren Zeit, Kreativität und viel Energie in ihre Inhalte.
Darum geht es mir nicht.
Es geht darum, wie ich selbst diese Form des Konsums erlebe – und ob ich mich damit identifizieren kann.
Ich kann mich schwer dazu motivieren, Inhalte zu produzieren, die ich selbst nicht konsumieren möchte.
Ich möchte Menschen nicht möglichst lange auf einer Plattform halten. Ich möchte sie mit einem Gedanken erreichen, der sie wieder zu sich selbst führt.
Ich möchte keine weiteren zehn Sekunden Ablenkung produzieren.
Ich möchte einen Raum öffnen, in dem ein Mensch innehält.
Vielleicht liest er einen Artikel. Vielleicht hört er ein längeres Audio oder einen Podcast. Vielleicht schaut er ein Video, in dem ein Gedanke vollständig ausgesprochen werden darf. Vielleicht legt er danach sogar sein Handy weg und fragt sich:
„Was bedeutet das eigentlich für mein Leben?“
Das ist die Art von Wirkung, die ich mit meiner Arbeit erreichen möchte.
Mir fehlen bei Reels die Tiefe und der Zusammenhang
Ich lese gerne.
Ich liebe Texte, in denen ein Gedanke entstehen und sich weiterentwickeln darf. Ich möchte Zusammenhänge verstehen. Ich möchte erfahren, wie jemand zu einer Erkenntnis gekommen ist und welche Erfahrungen dahinterstehen.
Auch Audios oder Podcasts mag ich, weil ein Thema dort Raum bekommt.
Was mich an vielen kurzen Inhalten stört, sind diese permanenten Häppchen.
Ein Satz über Selbstwert.
Sieben Sekunden über Glaubenssätze.
Drei Anzeichen dafür, dass irgendetwas in deinem Leben angeblich falsch läuft.
Fünf Schritte zur Transformation.
Der nächste schnelle Tipp. Die nächste Checkliste. Die nächste Behauptung.
Doch echte innere Arbeit besteht für mich nicht aus zusammenhanglosen Informationshäppchen.
Ein Glaubenssatz lässt sich benennen. Aber damit ist noch lange nicht verstanden, woher er kommt, wie er das Leben beeinflusst, welche Funktion er erfüllt und was es braucht, um eine neue innere Ausrichtung wirklich zu verkörpern.
Tiefe braucht Raum.
Und genau diesen Raum möchte ich auf meiner Homepage, in meinen Blogartikeln, in Gesprächen und vielleicht zukünftig auch in längeren Audio- oder Videoformaten schaffen.
Kurze Reize machen uns hungrig, aber selten satt
Für mich fühlt sich endloses Scrollen manchmal an wie geistiges Snacken.
Wir konsumieren einen kleinen Impuls nach dem nächsten. Für einen kurzen Moment entsteht Interesse, Überraschung, Zustimmung oder Empörung. Dann brauchen wir bereits den nächsten Reiz.
Wir nehmen unglaublich viel auf – und fühlen uns trotzdem kaum genährt.
Es bleibt wenig hängen, weil wir dem einzelnen Gedanken keine Zeit geben, sich zu setzen. Wir hören etwas Wichtiges und wischen bereits weiter, bevor wir überhaupt prüfen konnten, was es mit uns macht.
Vielleicht speichern wir einen Beitrag.
Vielleicht schicken wir ihn jemandem.
Vielleicht denken wir: „Das muss ich später noch einmal anschauen.“
Und dann verschwindet er zwischen Hunderten anderen gespeicherten Impulsen.
Wir sammeln Erkenntnisse, ohne sie zu verkörpern.
Wir konsumieren Veränderung, ohne wirklich etwas zu verändern.
Und ganz ehrlich: Diese Mechanik stößt mich ab.
Eine Plattform profitiert davon, wenn unsere Aufmerksamkeit niemals zur Ruhe kommt. Meine Arbeit beginnt genau dort, wo ein Mensch seine Aufmerksamkeit wieder zu sich zurückholt.
Mein Widerstand ist eine Information
Ich könnte meinen Widerstand gegen Instagram natürlich problematisieren.
Ich könnte mich fragen, welcher Glaubenssatz mich davon abhält, regelmäßig Reels zu drehen. Ich könnte versuchen, disziplinierter zu werden, meine Komfortzone zu verlassen und mich an die Plattform anzupassen.
Doch nicht jeder Widerstand bedeutet, dass wir uns überwinden müssen.
Manchmal zeigt Widerstand eine Grenze.
Manchmal macht er einen Wert sichtbar.
Manchmal sagt er uns sehr klar:
„Damit möchte ich mich nicht identifizieren.“
Die entscheidende Frage lautet deshalb für mich:
Vermeide ich etwas, das eigentlich zu mir und meiner Vision gehört?
Oder versuche ich gerade, mich in ein System zu pressen, das meinen eigenen Werten widerspricht?
Meine Antwort wird immer klarer.
Ich will sichtbar sein. Ich will meine Gedanken teilen. Ich will Menschen mit meiner Arbeit erreichen.
Aber ich möchte selbst entscheiden, wie.
Instagram darf ein Wegweiser sein
Ich werde Instagram deshalb nicht vollständig verlassen.
Aber die Plattform bekommt in meiner Arbeit eine andere Aufgabe.
Instagram darf ein Wegweiser sein.
Ein Pin, ein kurzer Gedanke oder ein ruhiges Bild kann auf einen vollständigen Blogartikel führen. Wer sich tiefer mit dem Thema beschäftigen möchte, findet auf meiner Homepage den Raum dafür.
Ich muss aus meiner Arbeit keine tägliche Show machen.
Ich muss Menschen nicht mit immer schnelleren Schnitten und immer lauteren Hooks festhalten.
Ich darf darauf vertrauen, dass es Menschen gibt, die ebenfalls gerne lesen. Menschen, die nach Tiefe suchen. Menschen, die genug von oberflächlichen Häppchen haben und einen Gedanken wirklich verstehen möchten.
Vielleicht erreiche ich auf diese Weise weniger Menschen.
Doch ich erreiche eher die Menschen, für die meine Arbeit gedacht ist.
Wann hast du dir zuletzt wirklich zugehört?
Vielleicht beobachtest du dich in den nächsten Tagen einmal selbst:
- In welchen Momenten greifst du automatisch zum Handy?
- Was war unmittelbar davor in dir wahrnehmbar?
- Suchst du gerade Inspiration – oder möchtest du etwas überdecken?
- Fühlst du dich nach dem Scrollen ruhiger oder lediglich abgelenkter?
- Welche Gedanken tauchen auf, wenn du einen stillen Moment aushältst?
- Wie oft konsumierst du Impulse, ohne einen davon wirklich umzusetzen?
- Welche Form von Inhalt nährt dich tatsächlich?
Es geht nicht darum, dein Smartphone zum Feind zu erklären oder jede App zu löschen.
Es geht um Bewusstsein.
Um den Unterschied zwischen einer bewussten Entscheidung und einem automatischen Griff zum Bildschirm.
Um die Frage, ob du dein Handy benutzt – oder ob es längst deine Aufmerksamkeit lenkt.
Und vielleicht beginnt Veränderung manchmal ganz unspektakulär:
Du bemerkst den Impuls.
Du legst das Handy wieder weg.
Du bleibst für einen Moment in der Stille.
Und du hörst dir selbst zu.
Erinnern. Erschaffen. Verkörpern.
Wenn du merkst, dass du dich durch ständige Ablenkung immer weiter von dir selbst entfernst, können wir gemeinsam anschauen, was in der Stille auf dich wartet und welche inneren Muster dich davon abhalten, dir selbst wirklich zuzuhören. Über meine Homepage kannst du ein kostenloses Kennenlerngespräch vereinbaren.
